Wasser einlagern für den Blackout?
Wie lässt sich ein Wasservorrat für einen Stromausfall und andere Krisen anlegen? Wie schmeckt Leitungswasser nach fünf, sieben, 15 Monaten Lagerung? Einige Tipps, wie es funktioniert.
Für einen Stromausfall Wasser einzulagern klingt erst einmal nicht so vordringlich. Doch sollte man bedenken, dass der Mensch zwar bis zu drei Wochen ohne Nahrung, aber nur drei Tage ohne Wasser überleben kann.
Und es kann schneller passieren als man denkt, dass das kostbare Nass nicht mehr aus der Leitung sprudelt. Sei es durch einen Blackout, bei dem Pumpen und Entkeimungsanlagen nicht mehr funktionieren, oder durch ein Naturereignis oder einen technischen Defekt, bei dem das Leitungswasser verschmutzt und nicht mehr getrunken werden darf oder womöglich gar nicht mehr bei dir im Haus ankommt.
Keine Lust so viel zu lesen? Auf meinem Youtube-Kanal gibt es die Ergänzung zu diesem Bericht in Videoform.
Wie viel Wasser brauchst du wirklich?
Als ich angefangen habe, mir über einen Wasservorrat Gedanken zu machen, habe ich es gemacht wie vermutlich die meisten: ein paar Kisten Mineralwasser in den Keller gestellt und mich für gut vorbereitet gehalten. Erst als ich nachgerechnet habe, wurde mir klar, wie schnell sich das aufsummiert.
Die offizielle Empfehlung ist eindeutig: Sowohl das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als auch der Österreichische Zivilschutzverband raten zu 2 Litern pro Person und Tag – Trinken und Kochen zusammengerechnet – und zwar für einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen.
Als Faustregel reicht dir also: 2 Liter × Personen × Tage. Bei zwei Erwachsenen und zwei Wochen sind das schon 56 Liter. Eine vierköpfige Familie kommt für 14 Tage auf stolze 112 Liter. Das ist eine Menge, die man erst einmal unterbringen muss.
Und jetzt kommt der Teil, den ich beim ersten Anlauf übersehen hatte: Die Hygiene ist da noch gar nicht dabei. Gesicht oder Hände waschen, Zähne putzen, die Toilettenspülung, das kommt noch dazu.
Für die Toilette reicht auch schmutziges Wasser. Zum Zähneputzen willst du aber sauberes Wasser, keine Brühe aus der Regentonne. Die Erkenntnis ist also: Du brauchst eine ganze Menge sauberes Wasser – deutlich mehr, als ein paar Kisten im Keller hergeben.
Dieses saubere Wasser lässt sich auf zwei Wegen bevorraten, und ich nutze beide.
Der feste Vorrat, der immer da ist. Das ist das Wasser in meinen lebensmittelechten Kanistern, mit Micropur haltbar gemacht. Darauf kann ich mich verlassen, egal wie plötzlich es ernst wird – es steht im Keller und wartet. Wie ich das genau mache, liest du im nächsten Abschnitt.
Der schnelle Großvorrat für den Ernstfall. Dafür gibt es Wassersäcke wie den Aqua-Bob, die du direkt aus der Leitung befüllst. Die große Version fasst bis zu 220 Liter und passt in die Badewanne. Aber nicht jeder hat eine Badewanne. Für die Dusche gibt es deshalb eine kleinere 30-Liter-Variante, die in die Duschtasse passt.
Und hier ist der Haken: Ein Blackout kündigt sich nicht an. Meist merkst du erst, dass etwas nicht stimmt, wenn das Licht schon aus ist. „Ich fülle die Badewanne, wenn sich eine Krise abzeichnet" funktioniert in der Praxis also kaum.
Was aber funktioniert: In den ersten Minuten eines Stromausfalls kommt oft noch Wasser aus der Leitung, bis der Druck im Netz nachlässt. Genau dieses Zeitfenster nutzt du, wenn bei dir die Gefahr besteht, dass die Wasserversorgung ohne Strom nicht funktioniert. Wenn der Strom weg ist, gehört in diesem Fall das Befüllen der Wassersäcke zu den ersten Handgriffen, solange die Leitung noch etwas hergibt. Und bei den Ereignissen, die sich doch ankündigen – angekündigte Rohrarbeiten, ein heranziehendes Hochwasser – hast du ohnehin genug Zeit.
Der Kanister-Vorrat ist damit der Teil, auf den du dich blind verlassen kannst; die Wassersäcke sind der Verstärker, der im Ernstfall aus wenig sehr viel macht.
Aber selbst wenn du nur drei oder sieben Tage Wasservorrat schaffst, bist du schon besser dran als der Großteil der Bevölkerung.
So habe ich meinen Trinkwasservorrat angelegt
Ich behaupte nicht, dass meine Methode die Beste ist, aber so funktioniert es bei mir. Die Kanister, die ich verwende, sind lebensmittelecht und BPA-frei. Darauf sollte unbedingt geachtet werden, wenn das Wasser nach Monaten auch noch neutral und nicht nach Plastik schmecken soll.
Mit einem Fassungsvermögen von 10 Litern lassen sie sich noch gut tragen, wenn sie gefüllt sind. 15 Liter gingen aber vermutlich auch noch.
- Vor dem ersten Befüllen und auch bei jedem Erneuern des Wasservorrates sollten die Kanister gut gereinigt und mit heißem Wasser ausgespült werden.
- Dann werden sie zur Hälfte mit frischem Leitungswasser befüllt.
- Zum Haltbarmachen des Wassers gebe ich auf 10 Liter Wasser 25 Tropfen (=1 ml) Micropur Classic flüssig dazu. Das ist ein Mittel, das mit Hilfe von Silberionen das Wasser keimfrei hält. Somit lässt es sich bis zu sechs Monate lang lagern.
- Anschließend wird der Kanister komplett aufgefüllt. So verteilt sich das Micropur gut im Wasser.
- Nach zwei Stunden ist die volle Wirkung erreicht und ich kann die nächsten Monate ruhig schlafen.
- Die Kanister stelle ich bei mir in den Keller, wo sie dunkel und einigermaßen kühl darauf warten, dass sie hoffentlich nie gebraucht werden.
Wie schmeckt 5, 7, 15 Monate altes Wasser?
Ich habe es ausprobiert. Nach fünf Monaten Lagerung von Wasser, das ich nach oben beschriebener Methode haltbar gemacht habe, war eine Kostprobe fällig.
Das Ergebnis: Es schmeckt nicht ganz so frisch wie das Tiroler Quellwasser, das bei uns aus der Leitung kommt, allerdings habe ich keinerlei Nebengeschmack nach Chemie oder Plastik bemerken können.
Ich würde dieses Wasser ohne Bedenken trinken und zum Kochen oder Waschen lässt es sich sowieso problemlos verwenden.
Inzwischen habe ich den Geschmackstest sogar nach 7 und 15 Monaten gemacht. Auch nach dieser Zeit war mein Wasser noch bedenkenlos trinkbar.
Sicherheitshalber tausche ich es dann aber doch nach dieser Zeit aus.
Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass die mögliche Lagerdauer auch von der Wasserqualität in deinem Wohnort abhängt.
Was ist mit verschmutztem Wasser?
Ob verschmutztes Wasser trinkbar gemacht werden kann, hängt von der Art der Verschmutzung ab. Hier würde ich mich in einem Notfall auf die Empfehlungen der örtlichen Wasserwerke oder Behörden verlassen.
Trübes Wasser muss aber auf jeden Fall vor der Verwendung gefiltert werden, zum Beispiel mit einem Sawyer Mini oder ähnlichen Wasserfiltern. Das dauert zwar seine Zeit, allerdings kann ich so einen kleine Filter auch auf eine Wanderung mitnehmen, um Wasser aus einem Gebirgsbach als Trinkwasser verwenden zu können.
Für den Urlaub in Gegenden, in denen die Qualität des Wassers fragwürdig ist, sind Micropur-forte-Tabletten recht praktisch. Diese sind leicht mitzunehmen und mit einer Tablette kann ich einen Liter Wasser entkeimen. Der Nachteil dabei: Da Micropur forte nicht nur mit Silberionen sondern auch mit Chlor arbeitet, hinterlässt es einen ganz leichten Chlorgeschmack.
Wen das stört, der sollte dann zum Trinken eben auf Flaschenwasser zurückgreifen und das behandelte Wasser zum Beispiel nur zum Zähneputzen verwenden.
Zum Entfernen des Chlorgeschmacks gibt es auch noch Micropur Antichlor, aber das habe ich selbst noch nicht ausprobieren können.
Mein Fazit
Trinkwasser einlagern ist unkomplizierter als gedacht. Das einzige Problem ist wohl der Platzbedarf. Aber selbst wenn ich nur für drei Tage Wasser bevorratet habe, bin ich noch besser dran als der Großteil der Bevölkerung.
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